Smart Home Erfahrungsbericht – IKEA Tradfri

Als ich vor ca. 1 ½ Jahren von IKEA Tradfri erfahren habe, war für mich klar, dass ich dieses Smart Home Lampensystem ausprobieren wollte.

Zirka 2 Jahre vorher hatte ich Erfahrungen mit Phillips Hue gesammelt. Ich war aber wenig begeistert. Mich nervte verschiedenes. Erstens, waren mir die einzelnen Lampen und Schalter zu teuer und zweitens ärgerten mich die Schalter. Die Idee, dass die Schalter batterielos funktionieren ist eigentlich genial, aber ich brauchte jeweils 2-3 Versuche, bis der Schalter das Signal aussendete. Und zweitens ärgerte mich, dass es nicht einmal Bewegungsmelder gab, die man zum Beispiel im Gang montieren könnte. Das würde ich mindestens mal ein wenig smart nennen.

Kurz mal vorneweg, das Wort smart im Begriff „Smart Home“ ist ein wenig arg hoch gegriffen. Aber „linked home“ für vernetztes Haus oder Heim, tönt halt nicht so gut.

Grundkomponenten:

Schalter:

    1. Dimmer (der Dimmer eignet sich nur für die weissen Lampen, die man nur dimmen kann)
  1. Schalter (kann die Farbe einer Lampe verändern und dimmen)

Lampen:

Der Grundvorteil am IKEA Tradfri System ist, dass ihr alle Lampen dimmen könnt. Es gibt 3 grundsätzlich verschiedene Lampenarten.

    1. Weisslich leutende Lampen, die ihr dimmen könnt.
    1. Lampen, bei denen man die Farbe von kaltweiss bis warmweiss einstellen und die man dimmen kann
    1. Lampen, bei denen man die Farbe im ganzen Farbspektrum verstellen und dimmen kann.
    1. Dann gibt es noch verschiedene LED-Panels
  1. Und dann gibt es nun auch noch LED-Treiber, mit denen ihr eine unterschiedliche Anzahl an „dummen“ LEDs (z.B. von einem China-Exporthändler oder einfacher von IKEA), betreiben könnt, die Treiber haben aber einen Output von 24V, so dass z.B. die meisten meiner LEDs, die entweder 5 oder 12V benötigen, nicht einfach so kompatibel sind.

Weitere Komponenten:

    1. Dimmer
    1. Schalter (bei denen man die Farbe einstellen und dimmen kann)
    1. LED-Treiber
    1. Bewegungsmelder
    1. Tradfri-Hub (Um ein ganz kleines bisschen Intelligenz reinzubringen und die App benutzen zu können)
  1. Leider noch nicht verfügbar, aber angekündigt, schaltbare Steckdosen.

Das IKEA Tradfri System kann man in zwei Unterschiedlichen Varianten betreiben.

1. Einzelne Lampen und ein mobiler Taster

Das ist eigentlich die offline-Variante, bei der ihr die App nicht benutzen könnt. Ihr könnt so Gruppen machen, z.B. alle Lampen hinter dem Sofa und diese dann mit einem einzelnen Schalter koppeln.

Das macht vorallem Sinn, bei Lampen mit Dimmern. Vielfach hat man ja hinter dem Sofa eine Lampe mit Dimmer, aber, wann war das letzte mal, dass ihr hinter dem Sofa den Dimmer eingestellt habt? Mit dem Schalter funktioniert das auch perfekt vom Sofa aus. Um das aber einrichten zu können, müsst ihr den Dimmer von der Lampe entfernen, weil die Tradfri Lampen nicht funktioinieren. Das ist aber ein einfacher Task für jemanden mit etwas elektronischer Erfahrung. Am Schluss müssen einfach die 230V auf der Lampenfassung sein.

2. Viele Lampen und Gruppen mit dem Tradfri-Hub

Mit dem Tradfri Hub, habt ihr dann die Möglichkeit, alle Lampen, Gruppen und Schalter über eine App anzusteuern. So lässt sich die Wohnung am einfachsten und besten mit Tradfri ausrüsten.
Zudem könnt ihr darauf ein paar wenige intelligente Sachen vorprogrammieren wie z.B. die Startzeit am Morgen oder ein Abwesenheitsprogramm.

Mit dem Hub habt ihr auch die Möglichkeit, das ganze über Amazon Alexa oder Googel Assistant anzusteuern. (Diese Optionen fallen für mach aber aus Bedenken wegen dem Datenschutz weg).

Doch das wohl interessanteste ist, dass ihr mit verschiedenen offenen Plattformen wie z.B. OpenHub oder pytradfri auf den Hub zugreifen könnt und man das ganze tatsächlich ein wenig intelligent machen kann.

[Anmerkung zu pytradfri https://github.com/ggravlingen/pytradfri: PyTradfri funktioiniert nur auf Linux reibungslos, da es die libcoap-library für Windows nicht gibt. Ein Workaround ist das Linux-Subsystem Bash von Windows 10 oder ein RaspberryPi)

Gestartet habe ich mit der Variante ohne Hub, einfach, weil er damals noch ausverkauft war, und mit etwa 4 Lampen. Ich musste ja noch meine Liebste von meiner neuen Idee überzeugen um Budget zu bekommen 😉

Doch als sich die Dimmfunktion und der Bewegungsmelder im Gang in der Nacht als überaus nützlich erwiesen hatte, durfte ich beinahe die ganze Wohnung mit IKEA Lampen ausstatten und den Hub installieren.

Mein Fazit nach ca. 1 ½ Jahren

Ich bin nach wie vor, von dem System überzeugt. Die Anschaffungskosten halten sich in Grenzen und wenn man ein wenig kreativ ist, kann man einige coole Sachen damit anstellen.
Ich mag die Bewegungsmelder, die LED-Treiber und freue mich sehr auf die schaltbaren Steckdosen.

Der Hub hat seine Limiten. Unsere Wohnung ist nicht wirklich gross, aber es gibt ein Zimmer, dass ich einfach nicht mehr erreiche. Da frage ich mich auch, ob das ZigBee Protokoll sauber implementiert wurde, weil sich die Geräte ja eigentlich untereinander vernetzten sollten und dieser Raum mindestens indirekt über das Lampen-Schalter-Netz erreichbar sein sollte.

Im Moment spiele ich mit dem Gedanken, einen zweiten Hub für den hinteren Bereich zu implementieren.
Das müsste man auch machen, wenn man in einem Mehrstöckigen Haus wohnt.

Eine Lampe im Gang funktioniert im Moment nur hin und wieder und muss meistens über einen Reset (abschalten des Stromes) wieder aktiviert werden. Das muss ich mal genauer untersuchen, das kann einerseits daran liegen, dass die Batterie am Schalter vielleicht zu schwach ist, oder die Lampe durch ist.)

Nach einem Jahr ist bei den meisten Schaltern nun der Zeitpunkt gekommen, an dem ich die Batterie austauschen muss. Das finde ich aber akzeptabel gegenüber den Nachteilen der Phillips Hue Schaltern, die nur hin und wieder funktionierten.

Das grösste Problem sind Besucher, die diese Systeme nicht kennen und versuchen die Lampen über die in der Wohnung eingebauten 230V-Schalter zu betätigen. Der erste Druck auf den Schalter nimmt den Strom vom System. Das ist jeweils der Punkt, wo sich die meisten beklagen, dass die Birnen defekt sind. Erst der zweite Druck, würde dann die Lampen wieder einschalten, aber die meisten probieren dass dann nicht mehr.

Für dieses Problem habe ich 3d-gedruckte Teile entwickelt und damit die Wohnung ausgestattet, das hilft in den meisten Fällen (in der Anfangsphase hat mir das auch geholfen 😉 ). Diese Teile werde ich demnächst mal hier präsentieren.

Ich habe viel Zeit investiert, OpenHab auf dem RaspberryPi aufzusetzen und sauber zu konfigurieren. Das hat grundsätzlich auch funktioniert und man kann, wenn man das System einmal verstanden hat, damit sehr viel machen.
Aber irgendwie, ist mir beim herumexperimentieren das ganze System mit den Konfigurationen abgerauscht. Seither hatte ich keine Lust mehr, weil da einfach so, so viel Arbeit verschwunden ist.

Im Moment denke ich, dass es für mich einfacher ist, mit Python und der Library pytradfri, das Ganze wieder etwas intelligenter zu machen.

Die Hallway- oder Stairway-Funktion existiert offiziell nicht. Wenn ihr euch fragt, was das für eine Funktion sein soll, hier eine kurze Erklärung. Wenn ihr einen Gang habt, hängen da meistens ein oder zwei Lampen. Ihr habt dann normalerweise auch an jedem Ende einen Schalter um die Lampen zu bedienen. Eine Tradfri-Gruppe hat aber offiziell nur einen Schalter. Das macht das ganze etwas sinnlos.

Aber, es gibt eine unoffizielle Variante, wie man das trotzdem bewerkstelligen kann. Die ist nicht dokumentiert und hat sich im letzten Jahr auch schon verändert.

Wie ihr das anstellen könnt, könnt ihr hier nachlesen: IKEA Tradfri Hallwayfunction / Stairwayfunction.

Da es die schaltbaren Steckdosen noch nicht gibt, habe ich ein wenig recherchiert und herausgefunden, dass sich ein Tradfri Schalter oder Bewegungsmelder auch mit einer schaltbaren Steckdose von Osram Lightify verbinden lässt. Wie ihr das anstellt, könnt ihr hier nachlesen: Koppeln von IKEA Tradfri Schalter mit OSRAM Lightify Steckdose.

Alles in allem, bin ich nach wie vor begeistert von IKEA Tradfri und freue mich über alle Erweiterungen und Updates die es gibt. Ich kann das System persönlich nur weiterempfehlen.

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