{"id":1167,"date":"2026-08-31T21:02:35","date_gmt":"2026-08-31T19:02:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.3deee.ch\/?p=1167"},"modified":"2026-08-31T21:02:36","modified_gmt":"2026-08-31T19:02:36","slug":"ich-brauchte-eine-sonnenbrille-die-es-so-nicht-gab-also-liess-ich-ein-llm-eine-konstruieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.3deee.ch\/?p=1167","title":{"rendered":"Ich brauchte eine Sonnenbrille, die es so nicht gab \u2013 also liess ich ein LLM eine konstruieren"},"content":{"rendered":"<p>Ich wollte eigentlich nur eine bessere Sonnenbrille.<a href=\"http:\/\/www.3deee.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/IMG_0264-scaled.jpeg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-large wp-image-1169\" src=\"http:\/\/www.3deee.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/IMG_0264-1024x768.jpeg\" alt=\"\" width=\"790\" height=\"593\" srcset=\"https:\/\/www.3deee.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/IMG_0264-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/www.3deee.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/IMG_0264-300x225.jpeg 300w, https:\/\/www.3deee.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/IMG_0264-768x576.jpeg 768w, https:\/\/www.3deee.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/IMG_0264-1536x1152.jpeg 1536w, https:\/\/www.3deee.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/IMG_0264-2048x1536.jpeg 2048w\" sizes=\"(max-width: 790px) 100vw, 790px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das Problem: Ich bin Brillentr\u00e4ger.<\/p>\n<p>Normale Sonnenbrillen funktionieren deshalb f\u00fcr mich schlecht. Ich hatte bereits eine \u00dcberzieh-Sonnenbrille, die \u00fcber meiner normalen Korrekturbrille getragen werden konnte. Das Prinzip funktionierte \u2013 die konkrete Umsetzung aber nicht wirklich.<\/p>\n<p>Der urspr\u00fcngliche Rahmen war mir zu klobig. Er wollte zus\u00e4tzlich auf meiner Nase aufliegen, obwohl dort bereits meine normale Brille sitzt. Unter meinen Fahrradhelm passte er ebenfalls schlecht.<\/p>\n<p>Und trotz des ziemlich grossen Rahmens gab es noch ein weiteres Problem: Seitlich konnte die Sonne weiterhin direkt ins Auge scheinen, weil dort praktisch keine Abdeckung vorhanden war.<\/p>\n<p>Also wurde aus einem kleinen Alltagsproblem pl\u00f6tzlich eine ziemlich typische Engineering-Aufgabe.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Mach mir eine Sonnenbrille f\u00fcr Brillentr\u00e4ger, die \u00fcber meine normale Brille passt, nicht zus\u00e4tzlich auf meiner Nase aufliegt, unter meinen Fahrradhelm passt, weniger klobig ist und gleichzeitig die Sonne auch von der Seite abschirmt.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Das Interessante daran: Ich habe den neuen Rahmen nicht klassisch im CAD konstruiert.<\/p>\n<p>Ich habe <strong>Claude Code \u00fcber ein MCP mit einem CAD-System verbunden und das LLM die Konstruktion \u00fcbernehmen lassen.<\/strong><\/p>\n<h2>Das eigentliche Problem war nicht CAD<\/h2>\n<p>Wenn ich den Rahmen klassisch konstruiert h\u00e4tte, h\u00e4tte ich vermutlich zuerst das bestehende Modell vermessen, Skizzen angelegt, Abst\u00e4nde definiert, Fl\u00e4chen aufgebaut, Radien ver\u00e4ndert und mehrere Varianten ausprobiert.<\/p>\n<p>Dieses Mal konnte ich mich stattdessen viel st\u00e4rker auf die eigentlichen Anforderungen konzentrieren.<\/p>\n<p>Der neue Rahmen sollte:<\/p>\n<ul>\n<li>\u00fcber meine normale Korrekturbrille passen,<\/li>\n<li>m\u00f6glichst wenig zus\u00e4tzlich auf der Nase aufliegen,<\/li>\n<li>schmal genug sein, um unter meinen Fahrradhelm zu passen,<\/li>\n<li>nicht unn\u00f6tig klobig wirken,<\/li>\n<li>die vorhandenen Sonnengl\u00e4ser aufnehmen,<\/li>\n<li>und seitlich deutlich besser gegen einfallendes Sonnenlicht abschirmen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das sind eigentlich genau die Fragen, um die sich Engineering drehen sollte.<\/p>\n<p>Nicht:<\/p>\n<blockquote><p>Wo ist jetzt noch einmal das Fillet-Werkzeug?<\/p><\/blockquote>\n<p>Sondern:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Was muss dieses Bauteil k\u00f6nnen?<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<h2>Von der Idee direkt ins CAD<\/h2>\n<p>Ich habe Claude Code Zugriff auf mein CAD-System gegeben.<\/p>\n<p>Dadurch konnte ich \u00c4nderungen zunehmend in nat\u00fcrlicher Sprache beschreiben.<\/p>\n<blockquote><p>Der Rahmen ist hier zu breit.<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Diese Stelle muss n\u00e4her an meiner normalen Brille vorbeilaufen.<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Die B\u00fcgel m\u00fcssen unter einen Fahrradhelm passen.<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Hier brauche ich seitlich mehr Fl\u00e4che gegen einfallendes Sonnenlicht.<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Die Nase soll m\u00f6glichst frei bleiben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das LLM \u00fcbersetzte diese Anforderungen in konkrete Operationen im CAD.<\/p>\n<p>Ich selbst musste das CAD dabei kaum noch aktiv bedienen.<\/p>\n<p>Und genau das war f\u00fcr mich der spannendste Teil des Experiments.<\/p>\n<p>Meine Rolle ver\u00e4nderte sich.<\/p>\n<p>Ich war weniger derjenige, der jeden einzelnen CAD-Befehl ausf\u00fchrt, und zunehmend derjenige, der Anforderungen definiert, Varianten beurteilt und Entscheidungen trifft.<\/p>\n<h2>Das ist eigentlich n\u00e4her an Engineering<\/h2>\n<p>Der urspr\u00fcngliche Rahmen hatte mehrere Nachteile gleichzeitig.<\/p>\n<p>Und sobald man versucht, einen davon zu l\u00f6sen, entstehen neue Zielkonflikte.<\/p>\n<p>Wenn ich den Rahmen einfach schmaler mache, passt er vielleicht besser unter den Helm \u2013 aber m\u00f6glicherweise verliere ich seitlichen Sonnenschutz.<\/p>\n<p>Wenn ich grosse Seitenfl\u00e4chen hinzuf\u00fcge, wird der Rahmen wieder klobiger.<\/p>\n<p>Wenn ich die Nasenauflage reduziere oder entferne, muss der Rahmen anders stabil gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Wenn er \u00fcber eine vorhandene Brille passen soll, muss deren Geometrie ebenfalls ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>Das sind klassische Engineering-Probleme.<\/p>\n<p>Es gibt nicht einfach eine einzelne perfekte Dimension.<\/p>\n<p>Es gibt mehrere Anforderungen, die teilweise gegeneinander arbeiten.<\/p>\n<p>Und genau hier liegt f\u00fcr mich eines der grossen Potenziale von LLMs im Engineering.<\/p>\n<p>Nicht darin, dass ein Modell einfach irgendeine Geometrie erzeugt.<\/p>\n<p>Sondern darin, dass wir ihm Anforderungen und Randbedingungen geben und es anschliessend dabei helfen kann, den m\u00f6glichen L\u00f6sungsraum zu erkunden.<\/p>\n<h2>In Zukunft beschreiben wir vielleicht prim\u00e4r Anforderungen<\/h2>\n<p>Heute lernen Ingenieure sehr viel dar\u00fcber, wie man Engineering-Software bedient.<\/p>\n<p>Wie erstelle ich eine Skizze?<\/p>\n<p>Wie setze ich Constraints?<\/p>\n<p>Wie erzeuge ich eine Extrusion?<\/p>\n<p>Wie konstruiere ich eine Fl\u00e4che?<\/p>\n<p>Wie lege ich eine FEM-Analyse an?<\/p>\n<p>All diese F\u00e4higkeiten sind n\u00fctzlich.<\/p>\n<p>Aber sie sind nicht das eigentliche Ziel.<\/p>\n<p>Das Ziel ist das Produkt.<\/p>\n<p>Ich k\u00f6nnte mir deshalb vorstellen, dass ein zuk\u00fcnftiger Workflow beispielsweise so aussieht:<\/p>\n<blockquote><p>Konstruiere einen Sonnenbrillenrahmen f\u00fcr diese vorhandene Korrekturbrille.<\/p>\n<p>Verwende diese vorhandenen Gl\u00e4ser.<\/p>\n<p>Der Rahmen darf meine Nase nicht zus\u00e4tzlich belasten.<\/p>\n<p>Er muss unter meinen Fahrradhelm passen.<\/p>\n<p>Seitlich soll m\u00f6glichst kein direktes Sonnenlicht ins Auge fallen.<\/p>\n<p>Das komplette Teil soll mit meinem FDM-Drucker herstellbar sein.<\/p>\n<p>Maximales Gewicht: 35 Gramm.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das System k\u00f6nnte daraus mehrere Varianten erzeugen.<\/p>\n<ul>\n<li>eine besonders schmale Version,<\/li>\n<li>eine Variante mit maximalem seitlichem Sonnenschutz,<\/li>\n<li>eine besonders leichte Version,<\/li>\n<li>eine speziell f\u00fcrs Fahrrad optimierte Variante.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ich suche dann nicht mehr m\u00fchsam eine Geometrie zusammen.<\/p>\n<p>Ich definiere zunehmend den <strong>Design Space<\/strong>.<\/p>\n<h2>Das l\u00e4sst sich auf wesentlich gr\u00f6ssere Engineering-Aufgaben \u00fcbertragen<\/h2>\n<p>Eine Sonnenbrille ist nat\u00fcrlich ein relativ \u00fcberschaubares Produkt.<\/p>\n<p>Aber der gleiche Workflow l\u00e4sst sich weiterdenken.<\/p>\n<p>Ich k\u00f6nnte beispielsweise sagen:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Dieser Fahrradhalter bricht bei ungef\u00e4hr 120 Newton. Er soll 300 Newton aushalten und maximal zehn Prozent schwerer werden.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Ein zuk\u00fcnftiger Agent k\u00f6nnte daraufhin:<\/p>\n<ul>\n<li>das CAD-Modell analysieren,<\/li>\n<li>eine FEM-Simulation starten,<\/li>\n<li>kritische Spannungsspitzen finden,<\/li>\n<li>mehrere Geometrievarianten erzeugen,<\/li>\n<li>diese erneut simulieren,<\/li>\n<li>Materialverbrauch und Gewicht vergleichen,<\/li>\n<li>die Druckbarkeit \u00fcberpr\u00fcfen,<\/li>\n<li>und am Ende die besten Varianten pr\u00e4sentieren.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Oder ich sage:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Konstruiere mir einen leichten Fahrradanh\u00e4nger aus Bambusrohren und 3D-gedruckten Muffen f\u00fcr 40 Kilogramm Nutzlast.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Dann k\u00f6nnten mehrere spezialisierte Werkzeuge zusammenarbeiten.<\/p>\n<p>CAD f\u00fcr die Geometrie.<\/p>\n<p>FEM f\u00fcr die Festigkeit.<\/p>\n<p>Materialdatenbanken f\u00fcr Werkstoffkennwerte.<\/p>\n<p>Ein Slicer f\u00fcr die Fertigbarkeit.<\/p>\n<p>Ein Kostenmodell f\u00fcr Material- und Produktionskosten.<\/p>\n<p>Das LLM m\u00fcsste all diese Systeme nicht ersetzen.<\/p>\n<p>Es m\u00fcsste sie <strong>orchestrieren<\/strong>.<\/p>\n<h2>MCP k\u00f6nnte daf\u00fcr ein wichtiger Baustein sein<\/h2>\n<p>Genau deshalb finde ich das <strong>Model Context Protocol, kurz MCP<\/strong>, in diesem Zusammenhang so interessant.<\/p>\n<p>Ein LLM alleine kann keine reale Maschine konstruieren.<\/p>\n<p>Es braucht Werkzeuge.<\/p>\n<ul>\n<li>CAD-Systeme<\/li>\n<li>Simulationen<\/li>\n<li>Materialdatenbanken<\/li>\n<li>Slicer<\/li>\n<li>Compiler<\/li>\n<li>Messger\u00e4te<\/li>\n<li>3D-Scanner<\/li>\n<li>vielleicht sp\u00e4ter sogar CNC-Maschinen, Roboter und Pr\u00fcfst\u00e4nde<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wenn ein Sprachmodell auf diese Werkzeuge zugreifen kann, ver\u00e4ndert sich seine Rolle.<\/p>\n<p>Aus einem Chatbot wird zunehmend ein technischer Agent.<\/p>\n<p>Das CAD muss dann nicht mehr zwingend die prim\u00e4re Benutzeroberfl\u00e4che sein.<\/p>\n<p>Das CAD wird zu einem Werkzeug, das der Agent benutzt.<\/p>\n<p><strong>Die eigentliche Benutzeroberfl\u00e4che wird zunehmend Sprache.<\/strong><\/p>\n<h2>Das CAD verschwindet nicht \u2013 es rutscht eine Ebene tiefer<\/h2>\n<p>In der Softwareentwicklung ist etwas \u00c4hnliches bereits mehrfach passiert.<\/p>\n<p>Maschinencode.<\/p>\n<p>Assembler.<\/p>\n<p>C.<\/p>\n<p>Python.<\/p>\n<p>Frameworks.<\/p>\n<p>APIs.<\/p>\n<p>Mit jeder neuen Abstraktionsschicht konnten wir komplexere Systeme bauen, ohne st\u00e4ndig s\u00e4mtliche darunterliegenden Details direkt kontrollieren zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die unteren Schichten sind dadurch nicht verschwunden.<\/p>\n<p>Sie wurden abstrahiert.<\/p>\n<p>Vielleicht passiert im Engineering gerade etwas \u00c4hnliches.<\/p>\n<p>Heute:<\/p>\n<blockquote><p>Sketch \u2192 Constraint \u2192 Extrude \u2192 Fillet \u2192 Boolean<\/p><\/blockquote>\n<p>Zuk\u00fcnftig vielleicht:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Der Bereich muss d\u00fcnner werden, darf sich unter 200 Newton aber maximal einen Millimeter verformen.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Das System entscheidet anschliessend selbst, welche geometrischen Operationen daf\u00fcr sinnvoll sind.<\/p>\n<p>Das w\u00e4re eine deutlich h\u00f6here Abstraktionsebene.<\/p>\n<h2>Der Ingenieur wird dadurch nicht unwichtig<\/h2>\n<p>Im Gegenteil.<\/p>\n<p>Wenn Computer immer mehr von der Bedienung der Werkzeuge \u00fcbernehmen, wird es noch wichtiger, gute Anforderungen zu formulieren.<\/p>\n<p>Bei meiner Sonnenbrille war beispielsweise \u00fcberhaupt nicht offensichtlich, was \u00abbesser\u00bb bedeutet.<\/p>\n<p>Kleiner?<\/p>\n<p>Leichter?<\/p>\n<p>Mehr Sonnenschutz?<\/p>\n<p>Bequemer?<\/p>\n<p>Helmkompatibel?<\/p>\n<p>Mehr Abstand zur Korrekturbrille?<\/p>\n<p>All diese Anforderungen m\u00fcssen gegeneinander abgewogen werden.<\/p>\n<p>Ein LLM kann Varianten erzeugen.<\/p>\n<p>Aber jemand muss beurteilen, ob sie in der realen Welt tats\u00e4chlich funktionieren.<\/p>\n<p>Und sp\u00e4testens bei belasteten Bauteilen, Maschinen oder sicherheitsrelevanten Konstruktionen braucht es technische Erfahrung, Tests und saubere Verifikation.<\/p>\n<p>Der Unterschied ist nur:<\/p>\n<p><strong>Wir k\u00f6nnten einen immer gr\u00f6sseren Teil der mechanischen Routinearbeit delegieren.<\/strong><\/p>\n<h2>Besonders spannend wird der geschlossene Engineering-Kreislauf<\/h2>\n<p>Meine Sonnenbrille war bereits ein kleiner iterativer Prozess.<\/p>\n<p>Konstruktion.<\/p>\n<p>Drucken.<\/p>\n<p>Anprobieren.<\/p>\n<p>Feststellen, was nicht passt.<\/p>\n<p>\u00c4ndern.<\/p>\n<p>Erneut drucken.<\/p>\n<p>Aber auch dieser Ablauf k\u00f6nnte in Zukunft st\u00e4rker automatisiert werden.<\/p>\n<p>Ein 3D-Scan k\u00f6nnte beispielsweise messen, wie meine normale Brille im Gesicht sitzt.<\/p>\n<p>Ein Scan des Fahrradhelms k\u00f6nnte den verf\u00fcgbaren Bauraum definieren.<\/p>\n<p>Eine Kamera k\u00f6nnte erkennen, wo Rahmen und Helm kollidieren.<\/p>\n<p>Messwerte k\u00f6nnten zeigen, wo sich der Rahmen zu stark verformt.<\/p>\n<p>Die Geometrie k\u00f6nnte anschliessend automatisch angepasst werden.<\/p>\n<p>Dann h\u00e4tten wir einen geschlossenen Kreislauf:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Anforderung \u2192 Konstruktion \u2192 Simulation \u2192 Fertigung \u2192 Messung \u2192 Optimierung<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Ein LLM-Agent k\u00f6nnte diesen gesamten Prozess koordinieren.<\/p>\n<h2>Das ver\u00e4ndert auch, wer Dinge entwickeln kann<\/h2>\n<p>Vielleicht ist das langfristig sogar der gr\u00f6sste Effekt.<\/p>\n<p>CAD und Engineering-Software haben eine ziemlich hohe Einstiegsh\u00fcrde.<\/p>\n<p>Wenn jemand eine gute technische Idee hat, aber keine Erfahrung mit parametrischem Modellieren, FEM oder CAM besitzt, kommt er heute oft nur schwer vom Gedanken zum funktionierenden Produkt.<\/p>\n<p>LLMs k\u00f6nnten diese H\u00fcrde deutlich senken.<\/p>\n<p>Nicht jeder wird dadurch automatisch Ingenieur.<\/p>\n<p>Aber viel mehr Menschen k\u00f6nnten technische Ideen tats\u00e4chlich ausprobieren.<\/p>\n<ul>\n<li>Maker<\/li>\n<li>Handwerker<\/li>\n<li>Designer<\/li>\n<li>Programmierer<\/li>\n<li>Velomechaniker<\/li>\n<li>kleine Unternehmen<\/li>\n<li>Sch\u00fcler und Studenten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ein Handwerker k\u00f6nnte eine spezielle Vorrichtung beschreiben.<\/p>\n<p>Ein Velomechaniker eine neue Halterung.<\/p>\n<p>Ein Fotograf einen Adapter.<\/p>\n<p>Und ein Brillentr\u00e4ger eben eine Sonnenbrille, die exakt zu seinem Problem passt.<\/p>\n<p>Mit einem 3D-Drucker kann wenige Stunden sp\u00e4ter bereits ein physisches Objekt auf dem Tisch liegen.<\/p>\n<h2>Meine Sonnenbrille ist deshalb nur der Anfang<\/h2>\n<p>Das eigentlich Interessante an diesem Projekt ist f\u00fcr mich nicht, dass AI eine Sonnenbrille konstruieren kann.<\/p>\n<p>Interessant ist die Ver\u00e4nderung des Workflows.<\/p>\n<p>Ich hatte ein konkretes Problem in der realen Welt.<\/p>\n<p>Der bestehende Rahmen war zu klobig.<\/p>\n<p>Er wollte zus\u00e4tzlich auf meiner Nase sitzen.<\/p>\n<p>Er passte schlecht unter meinen Fahrradhelm.<\/p>\n<p>Und seitlich konnte mich die Sonne trotzdem noch blenden.<\/p>\n<p>Ich habe diese Probleme beschrieben.<\/p>\n<p>Das LLM hat das CAD bedient.<\/p>\n<p>Ich habe das Resultat beurteilt.<\/p>\n<p>Dann kam die n\u00e4chste Iteration.<\/p>\n<p>Das f\u00fchlt sich f\u00fcr mich nach einem kleinen Vorgeschmack darauf an, wie Engineering in einigen Jahren aussehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Wir verbringen weniger Zeit damit, jedem Werkzeug jeden einzelnen Schritt vorzugeben.<\/p>\n<p>Stattdessen definieren wir Ziele, Randbedingungen und Priorit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Die Maschinen \u00fcbernehmen einen immer gr\u00f6sseren Teil der Umsetzung.<\/p>\n<p>Die entscheidende Frage lautet dann vielleicht nicht mehr:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Kannst du dieses CAD bedienen?<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Sondern:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Kannst du pr\u00e4zise beschreiben, welches Problem wir eigentlich l\u00f6sen m\u00fcssen?<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Meine 3D-gedruckte Sonnenbrille ist dabei nur ein kleines Beispiel.<\/p>\n<p>Aber vielleicht ist genau das der Anfang einer ziemlich grossen Ver\u00e4nderung im Engineering.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wollte eigentlich nur eine bessere Sonnenbrille. 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